Hilfe, mein Kind ist in der Wackelzahnpupertät! Was hat es mit der Sechsjahreskrise auf sich?

Bildquelle: Pixabay

Vor kurzem habe ich zu meinem Mann gesagt, dass sich unsere älteste Tochter Nele gerade irgendwie verändert. Mir sind einige Dinge aufgefallen, die zuvor ganz anders waren. So ganz plötzlich haben sich Verhaltensweisen gezeigt, die wir davor von ihr nicht kannten. Nicht nur die wahnsinnig heftigen Wutanfälle ließen uns aufhorchen.

Als dann eine Mama aus der Novembermamagruppe, in der ich seit der Geburt von unsrer großen Maus bin, einen Link zu einem Blogbeitrag postete, wusste ich, was los ist. Doch nicht nur mir ging ein Licht auf. Einer ganzen Reihe anderer Mütter auch. Viele hatten sich gewundert, was wohl los wäre. Nach meinen Recherchen über dieses Thema fiel mir auf, dass es fast allen andern Eltern genauso ging. Sie hatten noch nie etwas über diese Phase gehört. Sowohl Eltern als auch Erzieher bestätigten mir, diese Phase nie wirklich auf dem Schirm gehabt zu haben.

Wenn wir mehr darüber wüssten, würde es uns so sehr helfen, besser auf unsere Kinder einzugehen und ihnen Verständnis entgegen zu bringen. Ähnlich wie in der normalen Pubertät. Es gibt einen Grund, warum Kinder in diesem Alter bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen.

Für ein besseres Miteinander möchte ich euch ein paar Beispiele nennen, die wir bei uns an Veränderung bemerkt haben. Zum anderen möchte ich auch auf einige Zeilen aus dem Buch „Wackeln die Zähne – wackelt die Seele“ von Monika Kiel-Hinrichsen und Renate Kviske eingehen. Aus dem Buch war nicht alles ganz so interessant für mich, aber aus dem ersten Teil konnte ich sehr viel mitnehmen. Daran möchte ich euch teilhaben lassen.

Wackelzahnpupertät – Sechsjahreskrise

Wie verändern sich unsere Kinder in der Zeit des Zahnwechsels

Häufig fällt der Zahnwechsel auf die Zeit des Schuleintritts. Nele verlor ihren ersten Zahn 1,5 Jahre vor dem Schuleintritt. Da ich nun weiß, was diese Zeit an Emotionen und Veränderung mitbringt, bin ich sehr froh, dass sie nicht gleichzeitig noch den großen Schritt des Schuleintritts macht.

Der kindliche Körper verändert sich jetzt wahninnig. Auch an unserem eigenen Kind konnten wir beobachten, wie ihr Äußeres das Kleinkindliche verlor und nun viel mehr wie ein großes Mädchen aussieht.

(Folgende Zitate stammen aus dem oben beschriebenen Buch)

„Körperlich macht das Kind auch einen Gestaltwandel durch. Die Gliedmaßen beginnen in die Länge zu wachsen, die Kleinkindgestalt streckt sich, die Fettpölsterchen verschwinden. Muskeln werden sichtbar und die Gelenke treten in Erscheinung, was man oft gut am Knie beobachten kann“ (S.33.)

Der Körper macht viele Veränderungen durch, aber auch die Seele. Emotionen verändern sich, und gerade in dieser Zeit scheinen die Kinder damit nur sehr schwer umgehen zu können.

„Das begrenzte Weltbild öffnet sich langsam. Hat das Kind vorher noch im sicheren Boot seiner Eltern gesessen und sich fahren lassen, getragen von dem Rhythmus der häuslichen Gewohnheiten, so beginnt nun ein neuer Reiseabschnitt in die soziale Landschaft. Damit sing ganz eigenständige Erfahrungen verbunden, die an dem begrenzten Weltbild der ersten sieben Jahre rütteln. „Der Jan kriegt schon eine Mark Taschengeld in der Woche und ich gar nichts“ tönt es dann vielleicht. (S.35)“

So kommt es bei uns aktuell vor, das unsere Tochter plötzlich sehr viel lauter schreit, wenn sie sich weh getan hat. Dieses Schreien geht oft auch in ein Weinen über, das sich sehr nach einem „Babyweinen“ anhört. Die Toleranzschwelle ist des öfteren ziemlich niedrig, was dann auch gerne mal von völligen „Ausrastern“ begleitet wird. Sie scheint gar nicht zu wissen, was eigentlich los ist. Nach einem ausgiebigen „Weinanfall“ (Heulanfall hört sich für mich irgendwie abwertend an, als würde es keinen wirklichen Grund zum weinen geben) gibt sie oft an, gar nicht zu wissen, was eigentlich los sei.

Am intensivsten sind diese Zeiten nach unseren Beobachtungen tatsächlich, wenn sich ein Zahn löst und kurz vor dem Ausfallen ist. Zum Glück legen sich diese Phasen danach auch wieder schnell.

Sie scheint nicht zu wissen, wohin mit ihren Emotionen. Als Frau kann ich das ziemlich gut nachvollziehen, denn einmal im Monat geht es mir manchmal selbst so.

Oft ist eine ungebändigte kindliche Willenskraft zu beobachten, die sich in seelischer Zerrissenheit in Form von Widerstand und Liebesbedürfnis äußert. Die Eltern, deren Kind sich gerade in dieser Zeit befindet, werden das Prinzip „Geh weg! – Bleib hier!“ gepaart mit einem Wutausbruch, kennen.

Was wir ebenso beobachten konnten, ist eine Geschmacksveränderung. Plötzlich schmecken Sachen ganz anders. Vieles ist irgendwie komisch. Aber speziell bei Nele ist dadurch auch plötzlich eine neue Offenheit da, unbekannte Dinge zu probieren. Häufig steigt auch die Nachfrage nach Süßem, was bei uns bisher aber noch ausblieb.

Die Kinder entwickeln jetzt zudem einen neuen Sinn für Humor und Spaß an lustigen Geschichten. Dies kann man wundervoll nutzen, um neben dem ganzen Zahngewackel eine wundervolle Familienzeit zu haben.

Ablösungsprozesse

„Deutlich wird, dass dieser innere Gestaltwandel eine Art Lösungsphase ist: Die Bindung an Haus und Familie lockert sich. Das drückt sich of schon darin aus, dass das Kind bei einem Spaziergang nicht mehr an der Hand gehen mag und sich in der Öffentlichkeit ungern küssen lässt. Auch die Beziehungen zu den Geschwistern verschlechtern sich häufig. Die Jungen beginnen rüpelhaft und ruppig zu werden, während die Mädchen sich zickig benehmen und bei jeder Gelegenheit zu kreischen anfangen. 

Unverträglichkeit mit Spielkameraden und eine Neigung zu Streitsüchtigkeit sind Merkmale dieses Gestaltwandels. Zwischenmenschliche Spannungen sind also für diese Lebensphase charakteristisch.“ (S.36)

 

Bewegungsfreude und Tätigkeitsdrang

„Der Wachstumsschub, der den leiblichen Wandel verursacht, hat offensichtlich eine deutliche Steigerung des vitalen Antriebs zu Folge. Aber diese Aktivität ist doch recht begrenzt: Oft wird sie in sinnlosen Unternehmungen und Zappeligkeit verpufft oder weicht unvermittelt einer müden Passivität, so dass die Kinder untätig herumtrödeln. Die Freude und Interesse an geliebten Spielen gehen zurück, ohne dass sie ein neues Betätigungsfeld gefunden haben. Plötzlich taucht das Wort LANGEWEILE auf.“ (S.37)

OH JA! „Mir ist langweilig“ haben wir in der letzten Zeit bestimmt 1000 mal am Tag gehört. Gut zu wissen, dass es zur kindlichen Entwicklung gehört! 🙂

Seelische Disharmonie & Träume

Im genannten Buch berichten die Autorinnen weiter über das Thema seelische Disharmonie und Träume. Hier schreiben sie:

„…empfinden viele Kinder Unsicherheit und Leere: „Ihr seit ungerecht, immer kriege ich die schuld!“ heißt es dann vielleicht, begleitet von heftigem Aufstampfen und Schreien. Nicht selten wirft sich das Kind dann schluchzend auf sein Bett. 

Oft äußern sich die seelischen Veränderungen dieser Lebensphase auch in Form von Ängsten. Furcht bei Dunkelheit und nächtliches Aufwachen aus Alpträumen sind bekannte Symptome dieser Zeit, ebenso wie unbestimmte Schmerzerscheinungen, beispielsweise unspezifischer Bauchweh… In den Träumen spielen wilde Tiere eine große Rolle…manche Kinder können auch nur bei Licht einschlafen.“ (S. 38)

Alpträume und Ängste sind also absolut ernst zu nehmen. Wenn dein Kind plötzlich Angst in der Dunkelheit hat, meint dein Kind es durchaus ernst.

Das Träume plötzlich oft lebendiger werden und auch ab und an furchteinflößend, mussten wir leider auch feststellen.

 

Wie kann ich meinem Kind helfen?

Auf leiblicher Ebene kannst du dein Kind unterstützen, indem du ihm z.B. einen Stuhl mit einer Fußstütze anbietest. Die gibt Halt, hilft bei Haltungsproblemen und lässt die Beine nicht baumeln.  Auch helfen Bewegungsspiele wie Hüpfkästchen, Seilspringen, Ballspiele, aber auch schwimmen gehen. Auch Klatschspiele können unterstützen. Vielleicht kennst du aus deiner eigenen Kindheit noch weitere Bewegungsspiele, die du deinem Kind beibringen kannst.

Auf seelisch geistiger Ebene tut es dem Kind gut, sich wahrgenommen und verstanden zu fühlen.

Um das innere Gleichgewicht zu stärken, kannst du deinem Kind kreative Beschäftigungen wie Wasserfarbenmalen, Tonen, Kneten usw. anbieten.

Gerade diese kreativen Beschäftigungen lassen unsere Maus schön zur Ruhe kommen. Sie kann sich aktuell wieder stundenlang am Basteltisch beschäftigen. Man merkt richtig, wie die Kreativität aus ihr raussprudelt und wie ausgeglichen sie danach ist.

Das Kind soll weinen dürfen. 

Wir kennen das doch von uns selbst. Weinen befreit und tut manchmal richtig gut. Zum Weinen möchte Nele manchmal auch einfach alleine sein. Ich begleite sie solange es geht und akzeptiere es dann, wenn sie mich wegschickt. Teilweise kamen bei uns auch Wörter wie „blöde Mama“ vor, was zuvor hier niemals der Fall war. Ich gebe dem keine Bedeutung und ignoriere es sachte. Im Nachhinein entschuldigt sie sich von selbst, weil sie weiß, dass dies nicht in Ordnung war.

Entscheidend ist dann aber auch da zu sein, wenn ich wieder gebraucht werde. Und dieser Punkt kommt bei uns meistens. Hierfür bin ich ganz sensibel und komme dann zu ihr, nehme sie in den Arm und streichle ihr über den Kopf. Ein leises Schhhhh… wirkt beruhigend. Ich lasse sie langsam ausweinen und halte sie fest im Arm. Dann biete ich eine gemeinsame Aktivität wie ein Spiel o. ähnliches an.

Nachdem bei unserer Nele als Kleinkind alle Zähne durch waren, war ich heilfroh, da jeder Zahn von hohem Fieber und großen Schmerzen begleitet war. Zudem bekam sie jedesmal Husten und Schnupfen. Ich war mir dessen überhaupt nicht bewusst, dass sie noch Backenzähne bekommt und der Zahnwechsel noch einmal, große Veränderung schafft. Bei ihr wackelten bis vor kurzem vier Zähne gleichzeitig, ein Backenzahn war durchgebrochen und stark am wachsen. Die andern Backenzähne sind ebenso am durchkommen.

Das ist unheimlich viel für den Körper. Wenn wir Erwachsenen bedenken, wie fertig uns Zahnschmerzen machen können.

Ihr Zahnwachstum ist auch weiterhin begleitet von Fieber bzw. erhöhter Temperatur. Kurz bevor der Wackelzahn rausfällt hat sie ca. 2-4 Tage erhöhte Temperatur, fühlt sich aber sonst fit. Beim letzten Zahn war leider auch wieder Husten ein Begleiter.

Es ist also durchaus sinnvoll, wenn wir uns als Eltern (oder auch die Pädagogen 😉 ) mit diesem Thema beschäftigen. Gerade Erzieher, die es mit Vorschulkindern zu tun haben und Grundschullehrer, sind von diesem Thema betroffen. Bis zum 12. Lebensjahr geht es munter weiter mit den Backenzähnen. Also nicht schlecht, darauf immer ein Auge zu haben und unsere Kinder liebevoll zu begleiten.

Ich hoffe mein Blogpost konnte dir helfen, in dieses Thema ein bisschen hineinzutauchen. Leider gibt es hierzu kaum Literatur, da dieses Thema bislang nicht wirklich präsent war. Falls du mehr darüber lesen willst, empfehle ich dir noch den Blogbeitrag von der lieben Tanja (KLICK). 

Link zum Buch (affilierter Link) : http://amzn.to/2gb0LbL

Liebe Grüße und viel Durchhaltevermögen für diese Zeit,

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Katharina

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2 Kommentare zu „Hilfe, mein Kind ist in der Wackelzahnpupertät! Was hat es mit der Sechsjahreskrise auf sich?

Gib deinen ab

  1. Liebe Katharina, danke für diesen Beitrag und das Sensibel machen. In meinem Pädagogik Studium habe ich davon nichts gehört. Ist ja auch nicht der Altersbereich, in dem ich arbeite. Aber bei meinem Nachbarsmädchen war das sehr ausgeprägt zu beobachten und die Mama ist beinahe verzweifelt und wusste nicht recht, damit umzugehen. Da hat mir teilweise echt das Herz geblutet 😦

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar Anni! Ich kann es wirklich nicht verstehen, dass dies kein Thema in Ausbildungen und Studien in den pädagogischen Bereichen sind. Hiervon hört man tatsächlich nirgends etwas. Umso wichtiger, das Thema puplik tu machen! 💕

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